Archiv für Januar 2018

Braunzone Bundeswehr

Die Frage ‚We(h)r macht Traditionen in der Bundeswehr?‘ stellte sich zum wiederholten Male nach der Aufdeckung einer extrem rechten Zelle im April 2017. Die danach einsetzenden Bereinigungen der Kasernen von Wehrmachts-Devotionalien wurden in der extremen Rechten als Kappen von Traditionslinien heftig kritisiert. Doch trotz einiger Kasernen-Umbenennungen und Altlast-Beseitigungen betreibt die Bundeswehr bis heute eine problematische Traditionspflege. Deswegen sammeln sich auch erkennbar Rechte in ihren Reihen: Es gibt einen nationalkonservativen traditionalistischen Flügel, Neonazis und neurechte Nachwuchs-Offiziere. Wie hängt der Traditionalismus bzw. Neotraditionalismus in der Bundeswehr mit der Bundeswehr als „Armee im Einsatz“ zusammen? Wer versucht wie von Außen Einfluss zu nehmen und wie sieht es im Innern aus? Wie ist allgemein das Verhältnis der extremen Rechten zur Bundeswehr bzw. wie sehen die wehrpolitischen Vorstellungen der Rechten aus?
Diese Fragen sollen im Rahmen eines Vortrages mit anschließender Diskussion erörtert werden. Außerdem wird es ein Co-Referat über lokale Verflechtungen der Bundeswehr mit rechten Gruppierungen geben.

Der Referent Lucius Teidelbaum ist freier Journalist und Autor für das antifaschistische Magazin „Der Rechte Rand“.

Der Vortrag findet in Raum 00/0070 im Hörsaalgebäude in der Biegenstraße 14 statt. Der Raum wird ausgeschildert.

Organisiert wird der Vortrag von der Gruppe streit_wagen https://merkava.noblogs.org/ in Kooperation mit der Linken Fachschaft 03.

Akademischer Antisemitismus im Westen – BDS und die Ethnologie

Vielen gilt der Antisemitismus als eine Ideologie der „dummen Kerls“ (August Bebel). Im Gegensatz dazu war der Nationalsozialismus eine von Studierenden getragene Bewegung. Bücherverbrennungen wurden aus den Universitäten heraus organisiert. Die Rassetheorien gehörten zum wissenschaftlichen Standard, den Ärzte, Biologen und Kulturwissenschaften etablierten.

Nach dem Nationalsozialismus lässt sich ein Formenwandel des klassischen Antisemitismus zum Antizionismus beobachten. Dieser Formenwandel bedurfte intensiver intellektueller Zuarbeit, um Medienfälschungen und Ideologeme entsprechend zu tarnen und im akademischen Betrieb zu verankern.

Vor allem die Sowjetunion beförderte die Aufnahme und Umarbeitung antisemitischer Ressentiments in das linke akademische Millieu. Ideale wie der Guerillakrieg und der Antiimperialismus sorgten für die Wahrnehmung des jüdischen Staates Israel als „imperialistische“ Macht. Heute werden an vielen westlichen Universitäten Geschichtsfälschungen und Ressentiments gegen Israel geduldet und gelehrt. Mehrere US-amerikanische Fachbereiche haben in den letzten Jahren dem Boykott israelischer Wissenschaftler zugestimmt.

Der Vortrag erklärt, warum die BDS-Boykottkampagne gegen Israel antisemitisch ist und welche Motivation Professorinnen und Professoren, aber auch Studierende haben, sich ihr anzuschließen. Die Ursachen liegen weniger in Unbildung oder Halbbildung als vielmehr in einem globalen Aktionsdruck, der sich dann am schwächsten globalen Objekt abreagiert und dort wohlbekannte Tatsachen leugnet und zensiert. Angesichts der übermächtigen Verhältnisse sucht sich der politisierte Anspruch, die Welt zu verändern, ein Opfer, an dem Selbstwirksamkeit kollektivbildend erfahren werden kann.

An den Beispielen der American Association of Anthropology (AAA), der amerikanischen „National Womens Studies Association“, am Beispiel der BDS-Ikone Handala und an deutschen palästinensischen Studierendengruppen und etablierten Instituten für Konfliktforschung werden Strategien und Bedingungen des akademischen Antisemitismus heute dargestellt. BDS stellt sich dabei nur als eine aktuell verdichtete Avantgarde eines breiten intellektualisierten Antisemitismus heraus, die nicht nur auf Israel, sondern auf das freie Denken und den Wahrheitsanspruch überhaupt zielt.

Eine Veranstaltung der Linken Fachschaft 03 Marburg und des Bündnis gegen Antisemitismus Marburg.

Referent: Dr. Felix Riedel
31.1.2018 | 20:00 | Philipps-Universität Marburg, Hörsaalgebäude, Biegenstr. 14: 00/0080