Akademischer Antisemitismus im Westen – BDS und die Ethnologie

Vielen gilt der Antisemitismus als eine Ideologie der „dummen Kerls“ (August Bebel). Im Gegensatz dazu war der Nationalsozialismus eine von Studierenden getragene Bewegung. Bücherverbrennungen wurden aus den Universitäten heraus organisiert. Die Rassetheorien gehörten zum wissenschaftlichen Standard, den Ärzte, Biologen und Kulturwissenschaften etablierten.

Nach dem Nationalsozialismus lässt sich ein Formenwandel des klassischen Antisemitismus zum Antizionismus beobachten. Dieser Formenwandel bedurfte intensiver intellektueller Zuarbeit, um Medienfälschungen und Ideologeme entsprechend zu tarnen und im akademischen Betrieb zu verankern.

Vor allem die Sowjetunion beförderte die Aufnahme und Umarbeitung antisemitischer Ressentiments in das linke akademische Millieu. Ideale wie der Guerillakrieg und der Antiimperialismus sorgten für die Wahrnehmung des jüdischen Staates Israel als „imperialistische“ Macht. Heute werden an vielen westlichen Universitäten Geschichtsfälschungen und Ressentiments gegen Israel geduldet und gelehrt. Mehrere US-amerikanische Fachbereiche haben in den letzten Jahren dem Boykott israelischer Wissenschaftler zugestimmt.

Der Vortrag erklärt, warum die BDS-Boykottkampagne gegen Israel antisemitisch ist und welche Motivation Professorinnen und Professoren, aber auch Studierende haben, sich ihr anzuschließen. Die Ursachen liegen weniger in Unbildung oder Halbbildung als vielmehr in einem globalen Aktionsdruck, der sich dann am schwächsten globalen Objekt abreagiert und dort wohlbekannte Tatsachen leugnet und zensiert. Angesichts der übermächtigen Verhältnisse sucht sich der politisierte Anspruch, die Welt zu verändern, ein Opfer, an dem Selbstwirksamkeit kollektivbildend erfahren werden kann.

An den Beispielen der American Association of Anthropology (AAA), der amerikanischen „National Womens Studies Association“, am Beispiel der BDS-Ikone Handala und an deutschen palästinensischen Studierendengruppen und etablierten Instituten für Konfliktforschung werden Strategien und Bedingungen des akademischen Antisemitismus heute dargestellt. BDS stellt sich dabei nur als eine aktuell verdichtete Avantgarde eines breiten intellektualisierten Antisemitismus heraus, die nicht nur auf Israel, sondern auf das freie Denken und den Wahrheitsanspruch überhaupt zielt.

Eine Veranstaltung der Linken Fachschaft 03 Marburg und des Bündnis gegen Antisemitismus Marburg.

Referent: Dr. Felix Riedel
31.1.2018 | 20:00 | Philipps-Universität Marburg, Hörsaalgebäude, Biegenstr. 14: 00/0080


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