Archiv für Juni 2018

CNMS Mitarbeiter*innen missbrauchen Machtposition

Die Aktive Fachschaft Politikwissenschaften hatte geplant am 28. Juni einen Vortrag mit Sigrid Hermann-Marschall zum Thema „Islamistische Strukturen in Marburg“ durchzuführen. Dies wurde jedoch durch Druck von Dozent*innen des Centrums für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS) verhindert.
Die Mitglieder der Fachschaft wurden nicht während ihrer öffentlichen Plenumszeit oder bei einem per Mail vereinbarten Treffen auf die Veranstaltung angesprochen, sondern informell während eines Seminars. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des CNMS versuchte in der Pause seines Seminars die Referentinnenauswahl der Fachschaft zu diskreditieren. Sigrid Hermann-Marschall, die seit Jahren einen Blog zu islamistischen Strukturen betreibt, sei für so einen Vortrag nicht qualifiziert. Hintergrund dürfte sein, dass Hermann-Marschall auf ihrem Blog immer wieder die Verbindungen von Marburger Universitätsangehörigen zu Moscheegemeinden mit problematischen Inhalten benennt. Der Mitarbeiter meinte der Fachschaft drohe viel Unruhe von Seiten des CNMS und gerade der Professor*innen. Implizit wurde damit angedeutet, dass Professor*innen die Mitglieder der Fachschaft benachteiligen könnten.
Teile des CNMS nutzen so ihre Machtposition innerhalb der Universität aus um ihnen unangenehme Positionen zu verdrängen. Die Powifachschaft gab dem Druck aus dem CNMS nach und sagte die Veranstaltung ab.
Wir als Linke Fachschaft verurteilen diese Einmischung von Dozent*innen in Arbeit der studentischen Selbstorganisation auf Schärfste. Es ist notwendig sich auch kritisch mit der Arbeit von CNMS- Professor*innen und Dozent*innen auseinanderzusetzen.

Deshalb werden wir am 5. Juli eine Ersatzveranstaltung mit Sigrid Hermann-Marschall durchführen. Der Vortrag findet in Raum 05B05 in der Philosophischen Fakultät (Wilhelm-Röpke-Straße 6, 35039 Marburg) statt. Der Raum wird ab dem Foyer ausgeschildert.

Das Havanna 8 muss bleiben

Gentrifizierung ist auch in Marburg ein Prozess, der seit Jahren über steigende Mieten Menschen und Einrichtungen verdrängt. Das Havanna 8 konnte diesem Vorgang lange widerstehen. Während seiner 33-jährigen Existenz ist es zu einem festen Bestandteil der Marburg Stadtgesellschaft geworden.
Das Havanna 8 bietet einen Raum in dem Menschen hierarchie- und diskiminierungsärmer zusammenkommen können als an vielen anderen Orten. Für viele politische und „anpolitisierte“ Menschen bietet das Havanna 8 einen ersten Anlaufspunkt um neue Menschen kennenzulernen.

Gruppen und Initiativen, die außerhalb der Universität politische Arbeit machen, haben im Havanna 8 einen festen Platz. Es ist ein Ort der politischen Bildung. Regelmäßig finden hier Vorträge und andere Veranstaltungen statt, die sich mit sonst wenig berücksichtigten Themen auseinandersetzen. Gerade in einer Universitätsstadt wie Marburg dürfen sich politische Bildung und politische Arbeit nicht auf Hörsäle begrenzen.

Die Universitätsstadt Marburg brüstet sich immer wieder eine linksalternative, tolerante Stadt zu sein. Mit der Marburger-Schule ist man besonders stolz auf eine vermeintlich kritische Tradition in der Lehre.
Eines der wenigen Kollektive in Marburg, das dem Anspruch an emanzipatorische Kritik und Praxis gerecht wird, droht nun der Gentrifizierung zum Opfer zu fallen. Das muss mit allen Mitteln verhindert werden.

SaveTheH8!

Weitere Infos über die Situation des Havanna 8 findet ihr hier.

Bei der Fachschaftsratwahl Lifa03 wählen!

Wir treten bei den Fachschaftsratswahlen vom 26. bis zum 28. Juni mit einer eigenen Liste an.

Wir von der Linken Fachschaft 03 sind Studierende aus verschiedenen Studiengängen des FB 03. Kritisches Denken an der Universität ist uns wichtig. Deshalb organisieren wir vor allem Workshops und Vorträge zu Themen, die in der Lehre nur wenig berücksichtigt werden. In den letzten Monaten waren das zum Beispiel Veranstaltungen zur Kritik der Cryptoökonmie, zur antisemitischen BDS Bewegung und zur extremen Rechten in der Bundeswehr.

Im Rahmen unserer Möglichekeiten wirken wir den immer einflussreicheren Verwertungslogiken an der Universität entgegen. Darüber hinaus setzen wir uns für studentische Belangen ein. Wir werden uns in Zukunft verstärkt darum bemühen, dass die Studienordnung auch dann Anwendung findet, wenn sie vorteilhaft für Student*innen ist und nicht der Willkür von Dozent*innen unterworfen ist.

Außerdem fordern wir für die neue UB einen von Studierenden selbstverwalteten Raum. Hier sollen sich alle Menschen zwischen ihren Seminaren aufhalten, ausruhen und austauschen können.

Darum wähle am Tag der Hochschulwahl die Linke Fachschaft 03 für den Fachschaftsrat!

Für mehr Kritik an der Universität und politische Interessenvertretung für Studierende!

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Iran, Israel und Deutschland – Antisemitismus, Außenhandel und Atomprogramm

Vortrag von Stephan Grigat | 29.06.2018 | 18.00 Uhr | Raum +1/0120 Hörsaalgebäude Biegenstraße 14 35037 Marburg

Der heutige Iran, Israel und Deutschland sind auf eine merkwürdige Weise miteinander verbunden. Eine entscheidende Rolle spielen dabei Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus. Der Band erhebt Einspruch gegen die gängige Darstellung des iranischen Regimes und fragt nach den besonderen Beziehungen, die Deutschland als „Rechtsnachfolger des Dritten Reiches“ zur antisemitischen Diktatur im Iran einerseits und zum jüdischen Staat andererseits unterhält. Das Regime der Ajatollahs wird ebenso vor dem Hintergrund der Erfahrung des Nationalsozialismus analysiert wie die deutsche Iran-Politik und die israelischen Reaktionen auf das iranische Atomprogramm.

Stephan Grigat ist Politikwissenschaftler und u. a. Herausgeber des Sammelbandes „Iran – Israel – Deutschland: Antisemitismus, Außenhandel und Atomprogramm“.

Der Vortrag findet in Kooperation mit den Falken Marburg sowie der Aktiven Fachschaft Geschichte und der Aktiven Fachschaft Politikwissenschaft statt.

Antisemitismus – Ideologie und Kommunikationsstrategie der Terrororganisation „Islamischer Staat“

Vortrag von Alexander Steder | 21.06.2018 | 18.00 Uhr | Raum +2/0110 Hörsaalgebäude Biegenstraße 14 35037 Marburg

Mit der Geiselnahme im koscheren Supermarkt „Hyper Cacher“ vom 9. Januar 2015 versuchte der IS-Anhänger Amedy Coulibaly den freien Abzug der Terroristen zu erpressen, die zwei Tage zuvor einen Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ begingen und sich zeitgleich auf der Flucht vor der Polizei in einer Pariser Druckerei verschanzten. Dem französischen Sender BFM TV gelang es damals ein kurzes Telefoninterview mit dem Geiselnehmer zu führen. Auf die Frage, ob er sich das Geschäft aus einem bestimmten Grund ausgewählt hätte, antwortete dieser: „Ja. Die Juden. Wegen der Unterdrückung, vor allem des Islamischen Staats, aber überall. Es ist für alle Gegenden, wo Muslime unterdrückt werden. Palästina gehört dazu.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte Coulibaly bereits vier jüdische Geiseln ermordet. Erst die Stürmung des Supermarktes durch Spezialeinheiten der Polizei beendete die Geiselnahme und verhinderte weiteres Blutvergießen.
Trotz des offensichtlichen Hintergrunds der Geiselnahme wurde der Antisemitismus der Terrororganisation „Islamischer Staat“ in der folgenden Berichterstattung nur selten direkt thematisiert. Der Vortrag fragt deswegen danach, welchen Stellenwert der Antisemitismus in der Ideologie der Terrororganisation „Islamischer Staat“ einnimmt, wie dieser in der IS-Propaganda kommuniziert wird, welche Sicherheitsrisiken die Rückkehr von IS-Kämpfern und deren Familien nach Europa birgt und welche Maßnahmen darauf erfolgen müssen?

Alexander Steder ist Geschichts- und Politikwissenschaftler aus Marburg

Der Vortrag findet in Kooperation mit dem Bündnis gegen Antisemitismus Marburg statt.