Sich von der eigenen Ohnmacht nicht dumm machen lassen
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Voraussetzungen und Grenzen kritischer politischer Bildung

ABSTRACTS

Julika Bürgin: Oskar Negt – Konzept des exemplarischen Lernens und soziologische Phantasie. Mittwoch, 15.01.2014, 18 Uhr, 03B06
Die soziologische Phantasie und das exemplarische Lernen In einer bestimmten historischen Situation der 1960er Jahre erschien es (in der alten BRD) denkbar, dass politische Bildung bedeutend für einegrundsätzliche Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse wird. Das Konzept der „soziologischen Phantasie und des exemplarischen Lernens“ von Oskar Negt war hierauf ausgerichtet. Bei der Veranstaltung sollen Ansatz und Praxis der gewerkschaftlichen Bildung vorgestellt und gefragt werden, ob und wenn ja wie das Ziel kollektiver Emanzipation durch Bildung unter den gegenwärtigen Verhältnissen verfolgt werden kann. Dabei wird an die kritische Bildungstheorie und die Theorie der
Arbeiter(innen)bildung angeknüpft.

Madeline Doneit: Geschlechterperspektiven kritischer politischer Bildung. Montag, 20.01.2014, 18 Uhr, 03B06
»Geschlecht« ist politisch! Zur notwendigen Kritik von »Geschlecht« in der politischen Bildung
Seit ihrer Institutionalisierung in den 1960er Jahren fasst die Frauen- und Geschlechterforschung »Geschlecht« zum einen als soziale Ungleichheitskategorie und verweist zum anderen auf die Einschränkungen, Normierungen und Leidenserfahrungen, die von dem »selbstverständlichen« gesellschaftlichen Anspruch ausgehen, eindeutig und »richtig« »Mann« oder »Frau« zu sein. Wenn sich die Geschlechterforschung auch in unterschiedliche Perspektiven und Schwerpunkte ausdifferenziert hat, kann doch gegenwärtig von einem zentralen Leitmotiv gesprochen werden: Als Common Sense gilt die sozialkonstruktivistische Perspektive, dass Vorstellungen und Organisationen
von »Geschlecht« nicht »natürlich«, sondern kulturell und historisch spezifisch gesellschaftlich gemacht sind – d. h. sie könnten auch ganz anders sein! Damit geht es immer um eine Analyse von »Geschlecht« im Kontext von Macht und Herrschaft: Warum wird »Geschlecht« gerade auf diese Weise wirksam (gemacht)? Wem nützt das? »Geschlecht« ist politisch!
Als wie politisch, wie relevant wird die Thematisierung von »Geschlecht« und
»Geschlechterverhältnissen« aber in der aktuellen Forschung und Literatur der politischen Bildung erachtet? Welche Perspektiven und Inhalte werden aus den Diskursen der Geschlechterforschung übernommen und welche nicht – mit welchen Konsequenzen für fachdidaktische Konzepte und Praxisvorschläge?
In einer Literaturstudie sind PD Dr. ́in Bettina Lösch (Universität zu Köln), Maryam Mohseni und Madeline Doneit diesen Fragen nachgegangen. Auf Grundlage der Ergebnisse haben sie Vorschläge und Anregungen für eine umfassende macht- und herrschaftskritische Perspektive auf »Geschlecht« im Bereich politischer Bildung erarbeitet. In ihrem Vortrag stellt Madeline Doneit diese Überlegungen vor.
Zur Referentin:
Madeline Doneit (*1989) hat in Köln Erziehungswissenschaft studiert. Sie macht queer-feministische Mädchen*arbeit und Sexualpädagogik. Seit Oktober 2013 studiert Madeline den Master Gender Studies an der Ruhr-Universität Bochum.

Sven Rößler: »Die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden« – zum Fehlkonzept Politische Bildung. Freitag, 24.01.2014, 14 Uhr, 05B05
In seinem Vortrag „»Die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden« – zum Fehlkonzept Politische Bildung“ wirft Sven Rößler einen an Hannah Arendts kritischer Theorie der Moderne orientierten Blick auf die spätmoderne Alltagskultur und so Schlaglichter auf die Fallstricke eines »Mythos Mündigkeit«, der sich blind macht für die im Sog bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse fast unwiderstehliche Verkehrung selbst bester Absichten in ihr Gegenteil.